Obernburg (1)

Obernburg wurde 1278  zum ersten Mal urkundlich erwähnt, ist aber viel älter. Seit 1058 war der Sitz der Edelherren von Itter mit Witheraldus de Itter die Obernburg auf dem Weißenstein, die später ihren Namen die "obere Burg" bekam.

Die Evangelisch-lutherische Pfarrkirche ist vor 1200 im spätromanischen Baustil errichtet worden. Die Bauweise spiegelt die enge nachbarschaftliche Beziehung zu Westfalen wieder. Der Glockenturm, der wohl auch Wehrturm war, ist nach Westen gerichtet, der quadratische Chorraum nach Osten; dazwischen liegt das rechteckige Kirchenschiff.  Das Gewölbe des Kirchenschiffs wurde im 30-jährigen Krieg zerstört und 1661 durch eine Holzkonstruktion wieder ersetzt. Die Emporen weisen reiche Schnitzerei und kunstvolle Malerei auf. Eingangstür und wertvolles Kruzifix gehen auf den Waldecker Barockbildhauer und Bildschnitzer Josias Wolrad Brützel aus Immighausen zurück. Auch in Obernburg bestand eine strenge Sitzordnung nach Ständen, Geschlechtern und Altersgruppen; die Männer saßen auf den Emporen. Eine besondere Zierde bilden die fünf stehenden Grabplatten, von denen vier in die Ostwand des Chores eingelassen sind, während eine, und zwar die schönste und künstlerisch wertvollste, im Triumphbogen gegenüber der Kanzel sich befindet. Diese Grabplatten hatten einen dicken Anstrich aus Ölfarbe, der bei der Instandsetzung der Kirche im Sommer 1934 mit großer Mühe entfernt wurde. Die Grabplatten erinnern an den Rentmeister der Herrschaft Itter, Heinrich Günste, seine Frau und drei Kinder. Er starb 1692 im Alter von 45 Jahren. Die Barockorgel wurde nach ihrer Restaurierung 1985 wieder eingeweiht. Es ist bis heute  gelungen, das Kirchengebäude in Obernburg in seinem romanischen Ursprung zu erhalten.

[Quelle: Krummel Karl, Die Grabmäler in der Kirche zu Obernburg, Waldeckische Landeszeitung (1935); Wiesemann Jörg, Geschichtlicher Abriss von Obernburg (2007); Wiesemann Volker, Die Festschrift zur Einweihung der restaurierten Orgel der evangelisch-lutherischen Kirche Obernburg (1985)]

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